Im Juli 2015 sind die 3-Länder Enduro Trails am Reschenpass offiziell eingeweiht worden. Dabei handelt es sich um ein grenzübergreifendes Projekt der Südtiroler Orte Reschen, St. Valentin und Graun sowie Nauders auf der Tiroler Seite. 22 Singletrails mit einer Gesamtlänge von ca. 35km lassen das Mountainbiker-Herz höher schlagen. Doch hat sich das Projekt „3-Länder Enduro Trails am Reschenpass“ wirklich so entwickelt, wie es sich die Verantwortlichen erhofft haben? Darüber haben wir mit dem Geschäftsführer der Ferienregion Reschenpass, Uli Stampfer, gesprochen.

Uli, die Saison 2016 ist zu Ende. Wie fällt Dein Fazit für die 3-Länder Enduro Trails am Reschenpass in diesem Jahr aus?

Positiv…ich bin sehr zufrieden. Mich freut es vor allem, dass wird die Verbindung zwischen den Bergbahnen Schöneben und Haideralm fertigstellen konnten. Dadurch war die 3-Länder Enduro Runde in diesem Sommer erstmals komplett befahrbar, so wie wir uns das vorgestellt haben. Klar, spielt uns momentan der allgemeine Mountainbike / Enduro-Trend in die Karten, doch die Zahlen haben nicht nur mich überrascht, sondern auch die Bergbahnen selbst. Man muss wissen, dass das Projekt ja nicht von den Bergbahnen ins Leben gerufen wurde, sondern von den Tourismusvereinen. Die Zahlen haben uns jedenfalls bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Du sagst „Wir“, damit meinst Du auch Nauders, die das Projekt „3-Länder Enduro Trails am Reschenpass“mit Euch zusammen auf die Beine gestellt haben. Wie ist es zu der grenzübergreifenden Idee gekommen?

Wir arbeiten schon lange eng zusammen, wir suchen immer gemeinsam nach Themen und Produkten, die wir vermarkten können. Und der Mountainbike-Sport, speziell der Bereich Enduro war so ein Thema. Viele Studien zu dem Thema haben uns gezeigt, dass das ein Trend ist…und ein Blick in die Nachbarregionen hat uns bestätigt, dass dies auch funktioniert. Zudem haben wir gesehen, dass unsere bestehende Infrastruktur, mit den Bergbahnen, uns zu gute kommen könnte. Also, haben wir uns entschlossen das Projekt „3-Länder Enduro Trails“ anzugehen…(aber unsere größte Zielgruppe im Sommer bleiben die Wanderer. )

…und medial kräftig zu pushen. In den einschlägigen Mountainbike-Magazinen wird regelmäßig über die 3-Länder Enduro Trails am Reschenpass berichtet. Hinzukommen Festivals, wie die „ALUTECH Green Days“ in Nauders, das Womens Bike Camp am Reschensee und das Monster-Event „Nine Knights“. Aber „Nine Knights“ ist doch eher ein Marketing-Gag, oder?

Ja, es ist Marketing. Ich gebe zu, es ist nicht ganz unsere Zielgruppe. Aber es ist auch nicht so weit weg von dem, was wir hier machen. Und dadurch, dass die Medien so viel über „Nine Knights“ berichten (Anmerkung:…wir auch „Best of Nine Knights…„), erreichen wir ein Millionenpublikum. Vor, nach und während dem Event wird so viel über unsere Region berichtet, das ist doch perfekte Werbung.

Wir haben eine eigene Infrastruktur für Biker geschaffen

 

 

Auf der einen Seite definiert ihr euch selbst als Wanderregion, auf der anderen Seite investiert ihr viel, um das Mountainbiken in der Region zu etablieren. Wanderer und Mountainbiker…da denke viele, das geht niemals gut…

Ja, das stimmt…ähnliche Vorurteile und Ängste der Wanderer gab es auch bei uns. Gelöst haben wir das, in dem wir gesagt haben, dass wir alle Trails separat bauen. Wir haben praktisch eine eigene Infrastruktur für Biker geschaffen. Für die Südtiroler-Seite kann ich sagen, dass 98 Prozent der Trails nur für Biker sind. Bis auf ein kleines Stück haben wir das Wandernetz nicht angerührt. Bei Plamort haben wir einen Wanderweg in einen Trail umfunktioniert und im Gegenzug den Wanderern einen neuen, noch viel schöneren Weg gebaut. So haben wir unseren Kompromiss gefunden. Und mal ehrlich, aus meiner Sicht ist es hier so schön und so groß, da haben alle noch Platz.

Trails for Bikers: 3-Länder Enduro Trails am Reschenpass

Ein grenzübergreifendes Projekt dieser Größenordnung zu planen und umzusetzen ist nicht so einfach. Wie schafft man es, die verschiedenen Interessengruppen von dem Projekt zu überzeugen?

Es war wahrscheinlich weniger schwierig, als man vermuten könnte. Es liegt vielleicht daran, dass die hauptagierenden Partner nur Nord- und Südtirol sind. Auf Schweizer Seite gibt es ja nur einen kurzen Trailabschnitt. Wir haben uns in unserer Arbeit gegenseitig motiviert, frei nach dem Motto: „schau, was der Nord- bzw. Südtiroler Partner macht, da müssen wir nachziehen“. Selbstverständlich mussten wir alle Beteiligten und Interessengruppen ins Boot holen. Das haben wir auch gemeinsam gemacht. Von Bergbahnbetreibern, bis Wandervereinen, Forstbehörde, Jägerschaft…alle haben wir angesprochen. Wir haben versucht ihre Vorurteile abzubauen und ihnen aufzuzeigen, was das Projekt für die Region bringen kann. Letztendlich haben wir es aber geschafft, alles umzusetzen. Und das innerhalb von drei Jahren.

Unser Naturtrails sprechen eher das sportliche Publikum an

 

Habt Ihr Euch bei der Planung und Umsetzung des Projekts fremde Expertise mit ins Boot geholt?

Weil der Prophet im eigenen Land nicht so viel gilt, haben wir einfach Trail Solution aus Innsbruck geholt, die in dem Bereich Erfahrungen sammeln konnten. Die haben uns beraten und ein schlüssiges, tolles Konzept samt Streckenführung vorgelegt. Von der Projektidee bis zur ersten Fahrt auf dem ersten Trail hat es dann ein dreiviertel Jahr gedauert. Das war im Sommer 2014. Letztes Jahr waren dann viele einzelne Trails offen und seit 2016 sind alle verbunden.

„Flow-Trails“ sind derzeit ganz groß im Trend. Überall werden sie gebaut. Ihr habt darauf verzichtet! War es eine bewusste Entscheidung, die 3-Länder Enduro Trails am Reschenpass nicht als Flow-Trails zu bauen, oder war das den Gegebenheiten geschuldet?

Teils, teils. Ich glaube, dass es von Trail Solution wahrscheinlich eine bewusste Entscheidung war. Wir Tourismus-Experten hatten eher die breite Masse im Auge. Letztendlich haben wir uns aber auf die Erfahrung von Trail Solution verlassen. Da wir uns beim Bau der Trails bewusst gegen den Einsatz von Baggern entschieden haben, passen sich die Strecken dem Gelände an. Gerade um die Haideralm ist das Gelände sehr steil und felsig. Aber auch die Verbindung nach Reschen über den Plattweg Trail ist fahrtechnisch sehr anspruchsvoll. Dadurch, dass wir hier am Reschenpass keine Flow-, sondern Natur-Trails haben, sprechen wir eher das sportliche Publikum an.

Haideralm Trail

3-Länder Trail

Unterer Schöneben Trail - Enduro Trails am Reschenpass

Bike-Transport (pic: Christoph-Bayer)

In vielen Regionen sind die Bergbahnen diejenigen, die den Trailbau für Mountainbikes forcieren. Sie erkennen, dass die Winter nicht mehr so stabil sind und sehen in der Kombination aus Trails und ihren Liften eine neue Einnahmequelle. Bei euch ging die Initiative aber nicht von den Liftbetreibern aus…

Das stimmt. Erst nach dem zweiten Sommer fand bei den Liftbetreibern ein Umdenken statt. Da haben sie erkannt, dass das doch ein gutes Zubrot im Sommer ist. Inzwischen gibt es sogar Waschanlagen für Bikes an den Liftstationen und die Bahnen fahren durchgehend. Die Dolomiti-Region hat uns da sehr viel vorgemacht. Bei einem Vortrag ist mir in diesem Zusammenhang ein Satz besonders in Erinnerung geblieben. Die haben gesagt, sie können sich im Winter keine fünf Prozent mehr steigern, aber im Sommer können sie es noch um 50 Prozent. Da ist mir klar geworden, dass wir noch Potential haben.

Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. Welche konkreten Pläne gibt es für die Saison 2017? Wird das Projekt „3-Länder Enduro Trails am Reschenpass“ weiter wachsen, wo liegen die Schwerpunkte?

Bei uns geht es jetzt vor allem um die Pflege der Trails. Wir müssen versuchen die Trails qualitativ zu erhalten. Das ist enorm wichtig, auch für den Ruf. Bevor neue Trails gebaut werden, müssen die alten erstmal gepflegt sein. Aber es kommen auch noch kleinere Teilstücke hinzu, zudem müssen wir ein paar Verbindungswege und ein paar Trailabschnitte umbauen. In Sachen Familienfreundlichkeit wollen wir vielleicht auch noch leichtere Trails anbieten. Naturgegeben gibt es bei uns viele Bäume und viele Wurzeln. Dem sportlichen Fahrer gefällt das, aber es ist nicht jedermanns Sache. Und auch auf der Nordtiroler Seite planen sie einiges. (Anmerkung: Wie uns Manuel Baldauf, Geschäftsführer von Nauders Tourismus, verraten hat, wird gerade am Mutzkopf und Bergkastel kräftig gearbeitet)

Mehr Infos unter: reschenpass.it  und nauders.com

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About the author Sven Papendick rotate

liebt technische Trails, gute Outdoorausrüstung und Skandinavien. Sein Hilleberg hat ihn noch nie im Stich gelassen.

6 Comments

  • Das hört sich ja interessant an – da muss ich dringend einmal als MTB – Liebhaber hin! Schade das die Saison ja (eigentlich) vorbei ist – mal sehen, vielleicht ergibt sich noch etwas heuer!

    • Sven Papendick 17/11/2016 at 17:07

      Hallo Jan,

      die 3-Länder Enduro Trails sind wirklich klasse. Da kommt eigentlich jeder MTB-Fan auf seine Kosten. Einzige Wermutstropfen…die Wintersaison dauert dort sehr lang d.h. das du bei
      einem „normalen“ Winter frühestens im Mai/Juni wieder richtig fahren kannst. Aber man weiß ja nie…

      Gruß
      Sven & Claudia

  • Super Sache was dort entstanden ist War schon zum zweiten Mal dort und bin begeistert. Freue mich schon auf die Neuigkeiten. Weiter so

    • Sven Papendick 08/10/2016 at 09:41

      Servus Tommy,

      da hast du Recht, die Trailbauer vor Ort haben wirklich einen guten Job gemacht. Wir sind auch schon gespannt, was uns in der Saison 2017 erwartet. Die Arbeiten am Nutzkopf und am Bergkastel sehen jedenfalls sehr vielversprechend aus!

  • Danke für’s Interview – macht Bock auf nen Ausflug dorthin! 😉

    • Sven Papendick 07/10/2016 at 22:29

      Hallo Danijel,

      freut mich, wenn dir das Interview gefallen hat. Einen Ausflug in die Region lohnt sich, die 3-Länder Enduro Trails machen wirklich Laune. Einen Haken gibts aber…bevor du die Trails selbst unter die Räder nehmen kannst, musst du wohl auf die Saison 2017 warten müssen. Steigert aber die Vorfreude…ich wünsche dir jedenfalls jetzt schon viel Spass!

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