7 Powder-Tipps für Frauen

Moni Fiedler sagt, es war eine gedankliche Barriere im Kopf, der Respekt vor dem Freeriden war unheimlich groß. Erst bei einem Freeride-Camp mit Bergführer fiel diese Hürde. Inzwischen bietet Fiedler zusammen mit Marmot und K2 Women’s Winter Camps an. Für viele Frauen steht sie aber nach wie vor – die Barriere im Kopf. Deshalb hat die Outdoorrunde nachgefragt, wie der Weg ins Powdervergnügen besonders für Frauen gelingt. Verena Stitzinger, Steffi Fink und Lisa Horst sind erfahrene Guides und haben die sieben wichtigsten Tipps für uns zusammengestellt.

1. Schaff dir eine Wohlfühlatmosphäre

Für Freeride-Anfängerinnen findet Verena Stitzinger diesen Tipp besonders wichtig: Ein Umfeld suchen, wo man nicht unter Druck steht, das muss nicht zwingend ein Kurs sein, wo keine Männer sind, aber es muss ein Kurs sein, wo man sich wohlfühlt und sich traut, so zu sein, wie man ist. „Und wenn da langsam sein, auch dazu gehört, dann ist das eben so“, sagt die Skilehrerin: „Angsterlebnisse entstehen immer dann, wenn man denkt man muss schnell, schnell irgendwo hinterher und so tun, als ob das alles easy wäre. Da entstehen die schwierigen Situationen, die auch oft so abschreckend sind, dass man das nicht wiederholen will. Also ein schönes Umfeld suchen, vorher sicher gehen dass es da gemütlich und sanft genug zu geht und dann am besten mit einem Guide hinein ins Vergnügen.“

2. In kleinen Schritten von Erfolgserlebnis zu Erfolgserlebnis

Wenn die Atmosphäre stimmt, geht es daran sich an die ersten kleinen Hänge zu wagen und immer dem Prinzip folgen, sich in kleinen Schritten herantasten. Nicht irgendetwas Riesengroßes ausprobieren, nicht sich den schwierigsten, steilsten, längsten Hang des Gebietes und dann nach dem Motto:„da beiße ich jetzt die Zähne zusammen und da komme ich jetzt schon irgendwie runter“, sondern zuerst in kleinen Happen. Kleine Erfolgserlebnisse wahrnehmen und wirklich bemerken, dass es immer wieder ein bisschen besser geht.

3. Weibliche Guides sind besser für’s Gefühl

Bei einem Womens Camp oder ähnlichem anmelden, bringt eine Menge für alle Frauen die mit Ski oder Snowboard Freeriden lernen wollen. „Das ist super, weil man sich langsam, Stück für Stück in den Off-Piste-Bereich rantasten kann“, sagt Steffi Fink aus dem K2-Team. „Ich kann nicht“, gibt es schließlich nicht und oft ist es eher das Problem, dass man die Männer dabei hat, die einen drängen wollen oder die sagen „du machst das jetzt mit mir“. Mit einem Mädels-Guide unterwegs zu sein, kann auch richtig gut tun. Das ist unter Umständen ein bisschen langsamer und besser für’s Gefühl.

4. Nimm die Herausforderung an!

Natürlich geht es nicht darum Schwierigkeiten zu vermeiden. Es ist wichtig Herausforderungen suchen, aber realistische Herausforderungen. Wenn man sich dann so ein bisschen hochgearbeitet hat auf der „Freeride-Leiter“, dann darf es auch ein bisschen schwieriger und ein bisschen schneller sein. Dann macht es auch nicht mehr so viel aus, wenn mal Leute dabei sind, die einen vielleicht antreiben.

5. Sucht Euch andere Skifahrerinnen und Snowboarderinnen

Und wenn die ersten Schritte gemacht sind: Einfach mit anderen Mädels selbst viel zum Skifahren/Snowboarden gehen, so lernt man richtig viel. Bei Marmot-Guide Lisa Horst hat es auf einer Tour in Norwegen Klick gemacht. Dort war sie mit drei anderen Mädels unterwegs: „Wir haben gemerkt, es muss sich jede von uns mit den wichtigen Themen wie Tourenplanung, Lawinenlagebericht etc befassen und kann nicht nur hinterherfahren. Dadurch habe ich richtig viel mitbekommen. Wenn man die Grundlagen gelernt hat, dann muss man es einfach angehen und vielleicht gerade mal nur mit Mädels fahren gehen.“

 

Lisa Horst springt um

Lisa Horst ©Marmot

6. Lerne Entscheidungen zu treffen

Wenn man immer mit Jungs unterwegs ist und sich nicht traut, selbst eine Entscheidung einzubringen, dann kommt man nicht weiter. Dann fährt man die ganze Zeit nur hinterher – dem Bergführer oder dem Freund – ganz egal. Wenn man mal nicht mit dem (besseren) Freund unterwegs ist und man weiß, jeder hat Mitspracherecht, und jeder weiß in etwa gleich viel, dann entwickelt man sich selbst auch viel weiter.

7. Sag, was Du denkst!

Viele Frauen denken auch, sie haben gar nicht das Recht zu sprechen, weil sie ja die Schwächeren sind und die Stärkeren dürfen auch mehr sagen. Wenn sie das Glück haben und mit netten Männern unterwegs sind, dann fragen die oft sogar nach. „Jedem souveränen Sportler ist eigentlich schon klar, dass sich die Gruppe immer nach dem Schwächeren richten muss und das man eigentlich die fragen muss, was sie jetzt noch leisten können und nicht die besseren Fahrer, was sie sich jetzt noch vorstellen“, sagt Stitzinger. Und wenn die stärkeren in der Gruppe sehr empathisch sind, dann fragen die auch mal nach, aber da gibt es natürlich keine Garantie dafür. Im Grunde kann man nur den Rat geben, trau dich zu kommunizieren, trau dich auszusprechen, was los ist und sag einfach wie es Dir geht. Bei einem „Ich bin müde“ , „ich trau mich das eigentlich nicht“ oder einem „ich brauch Hilfe“  müssen die anderen schon sehr hartherzig sein, das nicht zu gewähren. Stitzinger ist aber auch überzeugt: „Und wenn tatsächlich keiner hilft, dann kann das nur heißen: Such Dir andere Freunde“.

Und Moni Fiedler organisiert inzwischen natürlich nicht nur Women’s Winter Camps. Skitouren gehen und Freeriden sind aus ihrer Winterplanung schlicht nicht mehr wegzudenken.

Verena Stitzinger

betreibt die Ski- und MTB-Schule Alpin Deluxe und ist seit 15 Jahren Skilehrerin und Skiführerin. Ihr Wissen gibt sie besonders gerne auch in speziellen Frauen-Freeridekursen weiter. Sie wird unterstützt von K2.

Steffi Fink

fuhr früher Skirennen und ist Skilehrerin im Team von K2.

Lisa Horst

ist Marmot-Teamriderin. Die staatlich geprüfte Skilehrerin ist auch in der Skilehrer-Ausbildung aktiv.  

Unterstützung

haben wir bei den Recherchen zu diesem Beitrag vom Women’s Winter Camp bekommen.  Bilderrechte liegen bei K2 und Marmot. (Einzelheiten siehe einzelne Bilder).


About the author Claudia Klingelhöfer rotate

träumt auch im Sommer manchmal von der perfekten Powderabfahrt, hat aber auch nichts gegen einen flowigen MTB-Trail und einen Sonnenuntergang mit Bergblick.

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