Kinder-Mountainbikes – Ab welchem Alter sinnvoll? Auf was muss ich achten? Welche Bikes gibt es überhaupt auf dem Markt? Wie sorge ich dafür, dass sie am Mountainbiken Spaß haben?
Fragen, die wir uns als begeisterte Mountainbike-Eltern gestellt haben. In den meisten Mountainbike-Magazinen ist darüber wenig zu finden. Da auch wir auf viele Fragen keine Antworten gefunden haben, haben wir uns die Mühe gemacht, dem Thema mal selber „auf den Grund“ zu gehen.
Den Anfang unserer mehrteiligen Interviewserie macht die kanadische MTB-Legende Brett Tippie. Der selbsternannte „Director of Good Times“ hat zwei Töchter im Alter von fünf und acht Jahren. Auch Brett Tippie hat sich vermutlich irgendwann einmal die gleichen Fragen gestellt wie wir. Wann und wie führe ich meine Kinder ans Mountainbiken heran und was muss ich als Elternteil beachten?

Brett, ist die Familie Tippie bike-verrückt?

Oh ja, mit Sicherheit, aber der „Verrückteste“ bin ich! (lacht). Bei uns fahren alle Mountainbike, das ist Bestandteil unseres Lebens. Meine Frau Sarah hat 1986 ihr erstes Mountainbike bekommen, dementsprechend ist sie echt gut unterwegs und fährt gern mit dem Big Bike in Bikeparks. Und unsere zwei Töchter sitzen auch schon auf dem Bike.

Wann sollten Kinder mit dem Biken beginnen?

Wann haben deine Kids angefangen Fahrrad zu fahren?

Ich hab mit meiner älteren Tochter angefangen Laufrad zu fahren, als sie drei Jahre alt war. Allerdings hatte sie auch schon ein kleines Laufrad mit zwei. Mit dem ist sie immer im Haus umhergefahren und hat so die Angst verloren. Ein richtiges Rad hat sie dann mit vier bekommen. Mit fünf ist sie dann bereits die North Shore Trails und all die Wurzeln im Regen gefahren. Verrückt, oder? Aber für sie ist das total normal, so nach dem Motto: „ach ich geh mal Biken mit meinem Papa“. Jetzt ist sie acht und sie denkt, es ist normal am North Shore Nightrides zu fahren – im Matsch und im Regen.

Tochter Jessamy Tippie

Jessamy Tippie in Whistler BC | Pic by Brett Tippie | Quelle: Facebook

Dann ist eine Profi-Karriere ja schon vorprogrammiert? 

Selbstverständlich könnte ich sie pushen und ihr vielleicht die ein oder andere Türe auf dem Weg zu einer Weltcupfahrerin oder verrückten Freeriderin öffnen. Doch will ich das? Nein! Für mich ist es wichtig, dass meine Kinder am Biken Spass haben und es genießen in der Natur zu sein…und das sie weiter mit ihrem Dad fahren, dann nämlich muss nämlich ich keine teuren Babysitter anheuern (lacht).
Ich möchte einfach, dass meine Kinder erkennen, was sie für ein Privileg genießen, hier in B.C. (British Columbia) wohnen und biken zu dürfen. Und Biken hilft ihnen auch dabei, Freundschaften zu schließen. Hier gehst Du auch mal bei deinem ersten Date Skifahren oder Mountainbiken.

„Hockey-Dads“ sind die falschen Vorbilder

 

Viele Mountainbike-Eltern wollen unbedigt, dass ihre Kinder auch biken. Schnell werden Sie auf entsprechende Räder gesetzt. Ist das der richtige Weg?

Also, mein Traum war es auch, das meine Kinder einmal mit ihrem Dad biken gehen. Auch ich habe meine Kinder früh auf ein Bike gesetzt, das ist o.k. Doch wenn du deine Kinder auf das Rad drängst oder sie sogar zum Biken zwingst, dann machst du einen riesigen Fehler. Kinder wollen Spass haben, auch beim Biken. Bei uns in Kanada gibt es einen Begriff für Eltern, die versuchen ihre Kinder zu zwingen, dass zu machen, was sie auch gerne machen. Man nennt sie „Hockey-Dads“.

Da hast du wohl einiges richtig gemacht, als du deine Tochter ans Mountainbiken rangeführt hast. Was sind deine Ratschläge für andere Eltern?

Damit Ihr sicher sein könnt, dass Eure Kinder Spaß am biken haben, habe ich einige „Grundregeln“:

  • Sorgt dafür, dass eure Kids in ihrer eigenen Geschwindigkeit unterwegs sein können
  • Habt immer gute Kleidung dabei. Bei Regen und Wind sucht Unterschlupf
  • Kinder wollen Spass haben. Drängt sie nicht zu sehr und zwingt sie nicht zu etwas
  • Wenn eure Kinder keine Lust mehr haben, dann geht mit Ihnen nach Hause
  • Sucht euch heimnahe Strecken aus, so seid ihr schnell daheim, wenn eure Kinder müde
    werden oder sich verletzen
  • Macht keine „Übungen“ – Biken soll Freude machen!
  • Seid kreativ, spielerisches Biken macht Spass. Zum Beispiel mit kleinen Spielen wie „ich
    jage dich – du jagst mich“, oder wir schauen nach bestimmten Tieren, Blumen oder Pflanzen, oder wir machen kleine Rennen mit der Stoppuhr
  • Ohne Helm, Handschuhe und Schoner keine Ausfahrt
  • Sorgt dafür, dass eure Kids in ihrer eigenen Geschwindigkeit unterwegs sein können.

 

In Bikeparks sind man immer öfter Eltern mit ihren Kindern. Glaubst du, dass Bikeparks für Kids das Richtige sind?

Ja! Ich denke, das ist super, weil sie nicht rauftreten müssen. Kleine Kinder werden ja viel schneller müde, haben weniger Gänge und kleinere Räder. Da ist der Lifttransport in Bikeparks perfekt. Meine Tochter hat zwar eine Zwei-Gang-Automatik an ihrem Rad (zu dieser Zeit Rocky Mountain Vertex), doch sie will natürlich lieber bergab fahren. So fahren wir dann nach Whistler und wir beide haben unseren Spaß (lacht). Allerdings sind Bikeparks sehr befahren, haben Bremswellen und es ist teilweise etwas ruppiger…also, es gibt immer Vor- und Nachteile.

Ein leichtes Bike zahlt sich aus

 

Der Markt der Kinderbikes ist sehr übersichtlich. Die meisten Bikes sind schwer und viele Komponenten nicht gerade kinderfreundlich. Es gibt aber auch schon richtige tolle Bikes…wie wichtig ist das richtige Material bei Kinderbikes?

Auf der einen Seite ist das Material sehr wichtig. Es gilt: Je leichter, desto besser! Die Kinder sind ja selbst so leicht, also brauchen sie auch leichte Mountainbikes. Das macht einen großen Unterschied…

…ja, aber die leichten Bikes sind meist teuer. Das kann sich nicht jeder leisten.

Das stimmt, leichte Bikes sind teurer. Doch es lohnt sich. Viele Kids verlieren einfach die Lust, wenn sie ein schweres Bike haben. Du hast doch auch keine Lust, wenn du immer mit einem 18kg Monster fahren würdest!? Ein leichtes Kinderbike zahlt sich aus! Grundsätzlich gilt aber, so lange es Räder gibt, kannst Du damit eine gute Zeit haben.

Jessamy Tippie und ihr neues Bike

Jessamy Tippie und ihr Bike | Pic by Brad Tippie | Quelle Facebook

Wie hast du es bei deiner Tochter gemacht?

Als gesponserter Fahrer bin natürlich in einer besonderen Situation. Die Räder meiner Tochter sind leicht aber auch schon ziemlich gepimpt (lacht). Ihre Freundinnen haben kleine Prinzessinen-Räder und sie hat ein Full-Suspension-Bike mit pinken Custom-made Kurbeln und Nippeln und natürlich Material aus der kommenden Saison (lacht). Sie weiß nicht mal, wie viel Glück sie hat. Denn wie gesagt, hat sie ja neben dem Fully noch das Rocky Mountain Vertex Hardtail. Vielleicht wird sie das später mal zu schätzen wissen. (Brett Tippie fährt inzwischen für YT Industries; die Redaktion)

 

Wenn euch das Interview mit Brett Tippie zum Thema „Kinder-Mountainbikes – Ab welchem Alter sinnvoll? gefallen hat, dann könnte euch der Beitrag zum Canyon Offspring AL16 auch gefallen! Oder ihr schaut euch den zweiten Teil unserer Serie Kinder und Mountainbiken mit Pro-Biker Rob J an.


About the author Sven Papendick rotate

liebt technische Trails, gute Outdoorausrüstung und Skandinavien. Sein Hilleberg hat ihn noch nie im Stich gelassen.

5 Comments

  • Servus Nachbarn,
    danke für den Artikel! Ich frage mich auch noch wie man den Lückenschluss zwischen leichtem, guten Rad und schnell wachsenden Kindern finanziell möglichst unbeschadet übersteht. Jedes Jahr was Neues ist ja keine echte Option, aber „mitwachsende“ Räder in dem Segment sind eher nicht vorhanden, oder? Wenn ihr das Thema weiter bearbeitet, gerne mehr Info dazu! Freue mich auf die nächsten Artikel.

    • Andreas Schäfer 11/09/2017 at 18:51

      Die Sorge ist berechtigt – aber hier paar Argumente …
      1. dieses spezielle Segment des Marktes ist noch relativ neu und aktuell übersteigt eher die Nachfrage nach guten = leichten Kinderbikes das Angebot …
      2. bei dem geringen Gewicht und am Anfang noch vorsichtiger Fahrweise geht wenig kaputt…
      … folglich behalten gute Bikes einigermaßen den Wert und sind gut wiederzuverkaufen
      3. so schnell wachsen die Kleinen auch nicht, mit sinnvollen Anpassungen sind in der Regel schon 2 Saisons gut machbar …
      4. es ist KEIN Fahrrad für den Alltag – es ist ein Sportgerät… gute Kinderski kosten zB auch viel. Und beim Biken fallen meistens auch keine Vereinsgebühren an 😉

      • Sven Papendick 12/09/2017 at 22:16

        Hallo Andreas,
        gute Argumentation, das sehen wir ähnlich. Tatsächlich, auch wir haben gute Erfahrung mit dem Wiederverkausfwert bei guter Pflege gemacht. Man sieht aber von Seinem der Industrie, dass das Angebot an guten Kinder-Mountainbikes langsam wächst. Auch diese Thematik wollen wir in unserer Themenserie beleuchten.
        Gruß Sven

    • Sven Papendick 12/09/2017 at 20:45

      Hallo Tobias,
      danke für deinen Kommentar, freut uns! Da geben wir dir Recht, der Spagat ist wirklich schwierig…das erleben wir derzeit auch. Ich denke, wir können dir bald eine zufriedenstellende Antwort geben. Wir werden dich auf dem laufenden halten 😉

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