Weltenbummler, Explorer, Abenteurer…Menschen, die so bezeichnet werden, haben eines gemeinsam: Sie wollen aus ihrer Umgebung, ihrer Komfortzone ausbrechen, um Neues zu entdecken. Für eine bestimmte Zeit alles hinter sich lassen…Familie, Freunde, Job…das ist der Preis, den Abenteurer zu zahlen haben.
Heute bin ich mit Basti Gutmann verabredet. Basti könnte auch so ein Abenteurer sein. Vor kurzem bin ich über ein Video von ihm bei Facebook gestolpert. Darin plaudert er darüber, dass er mit einem Bambusrad auf Weltreise gehen möchte. Für mich Grund genug, um mich mit Basti mal für ein Interview zu treffen. Auch wenn ich ihn noch nicht kenne und wir noch nicht ein Wort gesprochen haben, schießt mir direkt eine Frage durch den Kopf.

 

Mit einem Bambusrad auf Weltreise…Basti bist du verrückt? 

Vielleicht ein wenig…(lacht) Aber wer mich kennt, der weiß, das ich ab und an einmal auf verrückte Ideen komme. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen…so bin ich vor Jahren quer durch Europa getrampt und jetzt fahr ich halt mit dem Fahrrad um die Welt. Wenn ich von etwas begeistert bin, dann ziehe ich das auch durch.

Ohne wenn und aber…gilt das für alle Bereiche deines Lebens?

Ja, wenn ich auf etwas keine Lust habe, dann bin ich der Erste der wieder aufhört…auch im Job. Das Leben ist viel zu kurz, um sich zu ärgern. Ich habe es schmerzhaft erlebt, wie sich von einem auf den anderen Tag alles im Leben ändern kann. Vor ein paar Jahren habe ich bei einem Arbeitsunfall beinahe meine linke Hand verloren. Das war eine Wendepunkt für mich. Ich musste wieder ganz neu anfangen…ich hab eine neue Ausbildung gemacht, bin nach München gezogen und später habe ich mit „Hockt“ sogar meine eigene Firma für handgefertigte Möbel gegründet.

Viele Menschen haben Träume, die sie nicht verwirklichen. Zu den Menschen will ich nicht gehören

 

Dann haben deine Weltreisepläne auch Freunde und die Familie nicht überrascht?

Nee, bestimmt nicht…zum Leidwesen meines Vaters. Seit dem Tod meiner Mutter hat er schon viel mit mir durch machen müssen. Erst der Unfall und dann meine ganzen verrückten Idee…(lacht). Mein Vater sagt immer: Junge du spinnst. Ich glaube, er würde sich freuen, wenn ich ein geregelteres Leben führen würde. Also, mit einem normalen Job und Einkommen…aber mein Vater liebt mich und deshalb unterstützt er mich auch immer, egal was ich mache oder vorhabe. Und warum sollte ich eigentlich nicht mit einem Bambusrad auf Weltreise gehen?

In München sind Bambusräder gerade voll im Trend…wie bist du denn überhaupt auf die Idee gekommen, mit einem Bambusrad auf Weltreise zu gehen? 

Das war reiner Zufall…eine große Rolle spielt aber sicherlich meine Affinität zu Holz. Ich arbeite unheimlich gerne mit nachwachsenden Materialien. Und das Thema „Nachhaltigkeit“ liegt mir besonders am Herzen. Und als ich gelesen habe, dass man Räder aus Bambus bauen kann…war klar, aus welchem Material mein Rad gebaut sein soll. Was mich besonders fasziniert, ich kann mein Rad auch noch selbst bauen. Als ich den Jungs von BAM Original von meiner Idee erzählt habe, waren die direkt begeistert und haben gesagt…Basti, bau bei uns dein Fahrrad auf, wir unterstützen dich. Anfang 2017 geht’s dann los…bei Mario von RitzelKitzel werde ich mein Bambusrad aufbauen.

Du bist gerade mit deinem Rennrad zum Interview gekommen, willst du mit einem Bambus-Rennrad starten?

Das geht nicht…es wird ein Tourenrad, also eher etwas Gemütliches. Das Rad muss praktikabel sein, man darf eines nicht vergessen: Das Bambusrad ist mein Fortbewegungsmittel für eineinhalb Jahre…es ist dann praktisch mein Leben. Deshalb muss es top auf mich abgestimmt sein…da kommen dann noch jeweils vorne und hinten zwei Packtaschen dran. Mein ganzes Gepäck soll direkt am Rad befestigt werden. Ich habe mich bewusst gegen einen Anhänger entschieden, weil ich der Meinung bin, dass ein Anhänger, auf Strecke gesehen, zusätzlicher Ballast ist.

…und das dein Bambusrad auf der Weltreise vielleicht den Belastungen nicht standhält, machst du dir da keine Sorgen?

Ich habe volles Vertrauen in Bambus. Wer sich ein wenig in das Thema Bambusräder eingelesen hat, der weiß, dass die Bikes richtig stabil sind und viel aushalten. Kaum zu glauben, das Bambus ein Gras ist, oder?

Seinem Baugefühl vertrauen und los geht’s –Basti gehört zu den Menschen, die einfach loslegen und ihr Glück in die Hand nehmen. Je länger man ihm zuhört, je mehr ist man selbst von seinem Projekt begeistert. Diese positive Grundeinstellung und seine gute Laune sind beinahe schon ansteckend. Ich frage mich, ob Basti wirklich alles gut durchdacht hat…ich glaube, da muss ich noch einmal nachhaken. 

Basti, hast du eigentlich einen Plan, oder fährst du einfach drauflos?

Ich würde tatsächlich am liebsten einfach losziehen ohne Plan, denn dann erlebst du die tollsten Geschichten und lernst die interessantesten Menschen kennen. Wer beispielsweise einen All-Inclusive-Urlaub bucht, der wird nie Land und Leute kennenlernen. Doch genau das will ich aber. Bei einer Weltreise, wie ich sie jetzt vorhabe, geht es leider ohne Planung nicht. Das geht schon los mit entsprechenden Dokumenten, die ich benötige, um in Länder überhaupt einreisen zu können. Dann möchte ich meine Reise filmisch dokumentieren. Ich werde sehr viele Videos produzieren, mein Wunsch ist, dass ich nach meiner Reise einen Dokumentarfilm produzieren kann.

…du planst deine Reise durch 23 Länder, beschreib doch mal grob deine Route.

Es geht los über Österreich nach Slowenien durch die Balkan-Länder bis in die Türkei. Dann gehts über den Iran nach Pakistan, Indien, Bangladesch, Mianmar, Thailand, Malaysia, Singapur…ich möchte soviel wie möglich über Land reisen. Nach Australien werde ich dann ins Flugzeug steigen und wie ich nach Neuseeland komme, steht noch nicht fest, vielleicht mit dem Schiff. Danach werde ich die Südhalbkugel wieder verlassen und nach Kanada fliegen. Von dort geht’s dann die komplette Westküste hinunter bis San Franzisco. Anschließend von West nach Ost durch die USA…langweilig wird mir nicht..(lacht). Dann steige ich mal wieder ins Flugzeug und fliege nach Marokko und über Spanien, Frankreich, Italien und die Alpen zurück nach Deutschland.

Hast du mal geschaut, wieviel Kilometer das insgesamt sind?

Wenn ich alles richtig gerechnet habe, dann sind das ungefähr 35.000 Kilometer. Ich habe mir vorgenommen am Tag 90 Kilometer zu fahren…dann wäre ich so ungefähr eineinhalb Jahre unterwegs. Mein Ziel ist es in Europa so 120 -140 Kilometer am Tag zu fahren und in den Ländern, wo die Straßen schlechter sind, dann halt entsprechend weniger Strecke pro Tag zu machen. Ich möchte einfach einen Puffer haben, der es mir ermöglicht, auch mal einen Tag etwas weniger zu fahren. Du weißt ja nie was passiert…du kannst krank werden, dein Fahrrad geht kaputt oder ich komme an einen Ort, wo ich sage…hier gefällt es mir, hier bleibe ich ein paar Tage.

Deine Reise startet am 28. Mai und deine Reise ist auf eineinhalb Jahre ausgelegt, warum 18 Monate? Du könntest dir doch auch zwei Jahre Zeit lassen. 

Das ist ganz einfach zu erklären. Wenn ich die Tour in eineinhalb Jahren fahre, dann bin ich immer im Sommer unterwegs. Ich fahre im Sommer durch Europa und wenn ich dann auf der Südhalbkugel ankomme, ist dort auch wieder Sommer. In Australien und Neuseeland überwintere ich dann praktisch, bis ich im Frühling wieder auf die Nordhalbkugel wechsle. Wenn alles nach Plan läuft, dann bin ich im Oktober 2018 wieder zurück in München.

Neben Land und Leute kennenlernen, was ist dir besonders wichtig, wenn du mit deinem Bambusrad auf Weltreise bist? 

Mein Ziel ist es, so umweltbewußt wie möglich meine Reise zu gestalten. Das Thema „ökologische Nachhaltigkeit“ liegt mir dabei besonders am Herzen. Was mich wirklich freut und stolz macht, ist, dass ich mit der Organisation „Plant for the Planet“ zusammenarbeiten darf. So möchte ich während meiner Reise 40 Bäume pflanzen. Praktisch mein Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise. Ich bin fest davon überzeugt, dass es noch nicht zu spät ist. Und wenn man Organisationen, wie „Plant for the Planet“ unterstützen kann, dann sollte man das auch machen. Dafür kann man einfach nicht genug Werbung machen.

Ich muss kein Buch mitnehmen. Ich bin Teil meiner eigenen Geschichte, da ich jeden Tag soviel erleben werde

 

So ein Projekt kostet auch Geld. Finanzierst du alles oder nimmst du Sponsoren mit ins Boot?

Also, mit BAM Original habe ich schon einmal einen wichtigen Sponsoren gewonnen. Klasse wäre natürlich, wenn ich noch Material-Sponsoren bekommen könnte. So brauche ich für mein Fahrrad noch Komponenten, wie Bremsen, Antrieb usw. und toll wäre es auch, wenn ich noch Sponsoren für Zelt, Schlafsack finden könnte. Mal sehen, wie die Sponsorensuche noch verläuft. Ich bin jedenfalls zuversichtlich. Mit einigen Firmen bin ich bereits im Gespräch.  Auf der Eurobike habe ich mit mehreren Unternehmen gesprochen und alle fanden mein Projekt interessant. Zum einen, weil ich möglichst umweltbewußt reisen möchte und zum anderen, weil ich mit einem Bambusrad fahre. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht sogar der Erste bin, der mit einem Bambusrad auf Weltreise geht. Aber das ist mir auch egal, im Mittelpunkt meiner Reise wird die ökologische Nachhaltigkeit stehen. Aus diesem Grund ist es mir auch wichtig, dass ich Sponsoren finde, die umweltbewusst, nachhaltig und ressourcenschonend produzieren.

Eineinhalb Jahre aus vier Gepäcktaschen zu leben, ist schon ein sehr sportliche Herausforderung. Gibt es eigentlich irgendetwas, was du unbedingt mitnehmen musst, obwohl es vielleicht packtechnisch unvernünftig wäre? 

Nein, das gibt es nicht. Ich brauche nichts Materielles auf einer Reise, das habe ich schon beim Trampen durch Europa festgestellt. Erste Priorität ist: Ich muss etwas zu trinken haben…zweite Priorität: ich brauche ausreichend zu essen und wenn ich dann noch ein Dach über dem Kopf habe, bin ich glücklich. Alles andere ist mir egal.

Das ist doch die richtige Einstellung, denke ich mir. Basti scheint einen Plan zu haben, zumindest einen groben. Und das sollte auch reichen. Wir werden definitiv weiterverfolgen, wie es Basti bei seinen Reisevorbereitungen und dann natürlich auf seinem Weg um die Welt geht. Basti, danke für das Interview und alles Gute!

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About the author Sven Papendick rotate

liebt technische Trails, gute Outdoorausrüstung und Skandinavien. Sein Hilleberg hat ihn noch nie im Stich gelassen.

3 Comments

  • Klingt nach einem gewagten Abenteuer. Viel Glück auf jeden Fall für dich, Sebastian.

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