Wie begeistere ich meine Kinder fürs Mountainbiken, wie schaffe ich es, dass meine Kids Spaß auf dem Trail und der Biketour haben? Diese Fragen stellen sich viele passionierte Radfahrer quasi schon ab dem Zeitpunkt ab dem ihre Kinder die ersten Schritte auf dem Laufrad machen.

Karen Eller ist zweifache Mutter (Tochter Leni ist 12 u. Sohn Lois 8 Jahre alt) und ehemalige Profi-Mountainbikerin. Zusammen mit ihrem Mann Holger Meyer leitet sie die Mountainbikeschule Rasenmäher. Und sie hat es bereits geschafft: Ihre Kinder sind mit dem Mountainbike-Virus längst infiziert. Wie das geht, erklärt sie hier.

Karen, offenbar habt ihr erreicht, wovon viele Mountainbiker träumen, eure Kids haben auch Lust auf Trails, Bikepark und Touren. Wie habt ihr das geschafft?

Lust auf Trails und Bikepark – ja! Lust auf Touren – nein! Die Kids sind tatsächlich supergern mit uns auch mittlerweile auf anspruchsvollen Trails unterwegs, ich würde aber lügen, wenn ich sagen würde, dass sie gerne hochfahren. Sie lehnen es kategorisch ab! Aber mit viel Überredungskünsten und kleinen Tricks bekommt man sie auch dazu, dass sie mal eine Tour mit uns fahren, wo es bis zu 700 hm hoch geht.

Es stecken, ehrlich gesagt, unzählige Wutanfälle, wechselweise von mir oder den Kids dahinter, viele Tests die meine nicht vorhandene Geduld auf eine unglaubliche Probe stellten, Unmengen an Gummibärchen usw. Wir durften aber bereits erfahren, wie hoch der Lohn ist, wenn man sich Zeit und Geduld nimmt, den Kindern den Sport nahezubringen. Denn das gleiche Theater hatten wir auch beim Skifahren. Mittlerweile fahren wir mit unseren Kids Powderruns und auf der Piste fahren sie uns (fast) um die Ohren. So wussten wir, es sind vielleicht zwei, drei harte Jahre, aber dann haben wir die Kids mit uns auf dem Bike. Und so kam es auch. Aber viele Eltern haben verständlicherweise dafür keine Lust oder auch keine Zeit.

Der Sohn von Karen gibt Gas auf den Trails in Sölden | Pic: Christoph Bayer

Der Sohn von Karen gibt Gas auf den Trails in Sölden | Pic: Christoph Bayer

Beim Mountainbiken den Kindern die Trails zutrauen

Woher weiß ich, welchen Trail ich meinen Kids zutrauen kann?

Ausprobieren! Die Kids können mehr, als Mami glaubt. Es ist eher eine Mutprobe für Mama. Die Basics sollten sie aber drauf haben, bevor man mit ihnen in den Trail einsteigt und die übt man am besten auf dem Pumptrack. Und natürlich fällt die Wahl  erstmal auf sanftere Trails ohne Absturzgefahr.

Es ist ein Unterschied, ob ein Kind auf dem Pumptrack entscheidet, dass es keine Lust mehr hat, oder auf dem Trail. Wie habt ihr gewusst, welche Touren funktionieren, bzw. wie oft musstet ihr Eure Kinder überzeugen, dass die Tour nach der Hälfte des Weges noch nicht vorbei ist?

Auf dem Trail genügend Pausen einlegen, trinken, essen, Hände ausschütteln. Mein Rucksack ist immer voll mit Goodies und am Ende des Trails leer.

Wie schaffe ich es, dass die ganze Familie Spaß auf dem Trail hat?

Zu Anfang einfach leichtere Wald- und Wiesentrails mit weichem Untergrund fahren. Wie bei Erwachsenen auch, spielt das Material eine große Rolle. Scheibenbremsen sind Pflicht an Kinder Trailbikes. Gute breite Vollprofil reifen-wie bei den Großen halt auch. Wer hat schon mit einem Hardtail, Felgenbremsen und Semislicks auf dem Trail Spaß?

Und wie haltet ihr die Kinder auf langen Forststraßen und bergauf bei Laune?

Das ist so individuell. Es soll ja tatsächlich Kinder geben, die Spaß an 1000hm Touren haben….unsere Kids jedenfalls nicht. Wir machen viele Pausen. Zwischendrin gibt es auch mal Gummibärchen, Riegel und natürlich etwas zu  Trinken. Generell gilt: Am besten langweilige Forststrassen vermeiden – das finden doch alle doof.  Trails bergauf suchen, da funktionieren dann plötzlich die steilsten Stiche – auch wenn man nur seiner großen Schwester zeigen will, wie toll man ist.

Karen Eller mit ihren Kindern und Mann Holger Meyer unterwegs | Pic: Christoph Bayer

Mountainbiken, Kinder und Trails – darum geht es hier | Pic: Christoph Bayer

Bikeparks für Kids bedingt tauglich – Flowtrails sinnvoll

Was sind die Do’s und Dont’s, wenn ich mit meinen Kids unterwegs bin?

Ausreichend Pausen einlegen, viel Essen und Trinken mitnehmen. Kleine Ziele setzen und Belohnungen. Forststraßen vermeiden, Waldtrails suchen. Lieber erstmal weniger Höhenmeter. Überforderung kann schnell zu negativen Erlebnissen führen, dass dann nie wieder was geht. Vielleicht auch ’nen Kumpel oder ’ne Freundin zum Biken mitnehmen. Hilfestellungen an schwierigen Passagen ermutigt die Kids, auch mal was auszuprobieren.

Was gehört in den Bikerucksack, wenn ich mit Kids unterwegs bin?

Pflaster, 1. Hilfe Set, Arnika, klaro Gummibärchen, Protektoren wenn ich auf dem Trail unterwegs bin (Knie und Ellenbogen).

Und wenn es bergauf geht, dann eben auf dem Trail | Pic: Christoph Bayer

Und wenn es bergauf geht, dann eben auf dem Trail | Pic: Christoph Bayer

Sind Bikeparks die eierlegende Wollmilchsau für Familien?

Flowtrails ja, Bikeparks an sich finde ich zu stressig mit Kids – zumindest sollte man sie am Wochenende vermeiden. Für größere, erfahrenere Kids sicher dann spannend.

Welche Touren-/Trailgebiete kannst Du für Trailkids empfehlen?

Sölden, St. Moritz/Engadin, Serfaus Bikepark, oder die Plose in Brixen.

Sollten Kinder einen Mountainbike-Kurs absolvieren, bevor man mit Ihnen auf die Trails / in den Bikepark geht? Wann lohnt sich so ein Kurs?

Wenn Mama und Papa keine Bikeguides oder Coaches sind auf jeden Fall, ja! Er lohnt sich immer!

Deine Kids geben schon ganz schön Gas auf dem Bike. Wieviel Angst musst Du im Zaum halten, wenn Du Deine Kinder beim Biken siehst?

Ganz viel Angst. Aber das werde ich nie loswerden, auch nicht, wenn sie mal 18 Jahre sind. Aber ich lerne, die Angst in Griff zu bekommen und loszulassen. Ich kann’s ja eh nicht ändern…

Kare Eller lacht mit ihrer Tochter

Glückliche Tochter, stolze Mama. Mountainbiken macht so viel Spaß | Pic: Christoph Bayer

Und wann glaubst Du, siehst Du nur noch das Hinterrad?

Ich bin überzeugt, dass das nächstes Jahr so ist! Dieses Jahr war mein Sohn am Hinterrad, nächstes Jahr wird er vor mir sein…

Danke Karen, für diese ehrliche Einsicht und das ganze Interview. Wer selbst etwas von Karen lernen will, schaut bei den Rasenmähern vorbei.

Ihr wollt mehr davon? Bitteschön, hier sagt euch Bike-Star Rob J, wie die Kids richtig gute Mountainbiker werden. 

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About the author Claudia Klingelhöfer rotate

träumt auch im Sommer manchmal von der perfekten Powderabfahrt, hat aber auch nichts gegen einen hakeligen MTB-Trail und einen Sonnenuntergang mit Bergblick.

2 Comments

  • Coole Sache. Ich habe Karen´s Sohn letztes Jahr in Sölden beobachtet. Echt cool. Bin selber vile mit meine zwei Töchtern auf dem Mountainbike unterwegs. Zudem leite ich bei der DIMB IG Ostwürttemberg die kidsonBike Gruppe. Die DIMB bietet hierfür auch eine spezielle Ausbildung an, die sehr zu empfehlen ist…einfach mal bei wwww.dimb.de unter dem Stichwort Ausbildung nachschauen. Ende Oktober gibt es z.B. einen Kurs in meinem Heimatrevier in Aalen

    • Claudia Klingelhöfer 16/04/2018 at 20:25

      Hi Carsten, danke für die guten Zusatzinfos. Wäre sicher gut, wenn es in Deutschland noch ein paar mehr kompetente Coaches und Möglichkeiten für die Kids gibt. So ist man doch oft allein unterwegs und es bleibt so ein Familiending. Cheers, die Outdoorrunde

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