Wie Kinder und Jugendliche richtig Mountainbiken lernen, das kann Rob J ziemlich gut erklären. Der Mountainbike-Profi ist Vater von zwei Jungs und organisiert jeden Sommer in Saalbach-Hinterglemm ein eigenes MTB-Camp für Kids. Er ist also genau der richtige Ansprechpartner für den zweiten Teil unserer Serie zum Thema Kinder und Mountainbiken. Im Gepäck hat er ganz viele Tipps zum Thema richtiges Bike, Pumptracks, Trails, Jugendcamps und Bikepark für Kinder. 

Viele werden sich natürlich fragen, was seine Jungs für Räder haben. Sein großer Sohn ist fünf und hat ein Supurb Bo 20. Und der Kleine, 2, hat das Commencal-Laufrad vom großen Bruder geerbt. Ausflüge in die Isartrails und zu den Pumptracks in München sind für Rob J und seinen großen Sohn keine Seltenheit. Und da sind wir natürlich schnell ins Quatschen gekommen. 

Mtb-Kids von Rob J mit Bike / Laufrad

„Schau mal wie hoch Papa wieder springt“, Rob Js Mtb-Kids | Pic Rob J

Rob, wie wichtig ist ein gutes Bike für die Kids?

Es ist unwahrscheinlich, was die Geometrien bei Kindern schon alles ausmachen, zum Beispiel, ob das Rad einen steilen oder einen flachen Lenkwinkel hat. Das ist genauso wie bei uns. Bei einer guten Geometrie sitzen die Kinder viel besser im Rad und das macht den Unterschied aus, ob die Kinder sich wohlfühlen. Das habe ich bei meinem ersten Sohn schon beim ersten Laufrad und dann beim ersten Fahrrad gemerkt. Das sind viele Kleinigkeiten, die da wichtig sind, zum Beispiel ein breiter Lenker oder ein kurzer Vorbau.

Ich schaue natürlich auch, was es auf dem Markt gibt. Aber Räder die richtig passen, in Bezug auf  Geometrie und Größe, gibt es noch relativ wenig. Da tut sich erst in den vergangenen ein, zwei Jahren langsam was.

Auf was würdest Du beim Kauf denn achten? 

Natürlich ist es wichtig, dass die Räder möglichst leicht sind. Ein Knirps mit zehn, zwölf Kilo, wenn der mit einem Acht-Kilo-Rad herumfährt, ist das schon gewaltig. Das ist ja genauso, wie wenn ich mit einem 50-Kilo-Rad fahren müsste. Schwierig ist es natürlich, weil die Hersteller einen gewissen Preispunkt schaffen müssen. In puncto Geometrie geht es darum, dass die Kids im Rad hocken sollten und nicht obendrauf. Das gibt sonst gleich ein „kippeliges“ Gefühl. Letzten Endes muss es so passen, dass die Kids sich sicher fühlen und Spaß haben.

Rob Js Sohn Ruben mit seinem Superb-Mob lächelt in die Kamera | Pic by Rob J

Rob Js Sohn Ruben mit seinem Superb-Mtb | Pic by Rob J

Rob Js Sohn und das Superb BO20 im Wald | Pic by Rob J

Das Supurb BO20 | Pic by Rob J

MTB-Kid Ruben lernt Mountainbike fahren | Pic by Rob J

Mtb-Skills kann man gar nicht früh genug lernen | Pic by Rob J

Der fünfjährige Ruben auf den Münchner Isartrails mit seinem Mountainbike

Die Münchner Isartrails idealer MTB-Playground | Pic by Rob J

Brett Tippie hat uns gesagt, dass er dann gerne mit seiner Tochter in den Bikepark geht

…klar, in Kanada ist es gang und gäbe, dass die Fünf- bis Sechsjährigen anfangen, im Bikepark zu fahren. Bei uns gibt es nur sehr selten Strecken, die man mit den Kids fahren kann. Die Strecken sind meist zu anspruchsvoll. Aber trotzdem kann man mit den Kids viel machen. Mein Sohn hatte auch schon mit drei Jahren Lust, über Wurzeln und kleine Trails zu fahren. Das ging schon mit dem Laufrad los. Was sich auch gezeigt hat, dass er relativ schnell mit dem Material am Limit war. Steile Strecken konnte er gut fahren, aber die Bremsen (V-Brakes) konnte er aus Kraftgründen nicht richtig ziehen. Da wären dann schon Scheibenbremsen angesagt gewesen. Die sind leichter zu dosieren und haben eine größere Bremspower.

Pumptracks sind ja auch eine gute Alternative?

Wenn man die Möglichkeit hat, Pumptrack zu fahren, ist das ideal. Das geht schon mit dem Laufrad los. Das sollte jeder nutzen, bevor es auf die Trails geht. Und wenn die Kids dann fünf oder sechs werden, wird es richtig spannend. Dann gibt es auch wieder andere Bikes, kleine Fullies mit Scheibenbremsen. Und dann geht es auch im Gelände richtig los.

Mit MTB-Profis fahren, das ist ein Wahnsinns-Erlebnis

 

Sowieso erstaunlich, was die Kleinen teilweise schon können.

Bei den Kindern zeigt sich deutlich, dass viele nur durch das Material limitiert sind. Diese Erkenntnis setzt sich jetzt auch gerade erst durch. Gib den Kids gute Bikes und sie können wirklich früh schon im Gelände fahren. Natürlich muss die Ausgabe immer in Relation stehen. Wer die Strecken vor der Haustür hat, bzw. wenn die Strecken leicht zugänglich sind und wenn die Freunde auch Rad fahren, dann lohnt sich natürlich eine größere Investition in Sachen Mountainbike.

Und wenn die Kinder größer sind, geht’s in die Bikecamps…

…ich war selbst mit 15 Jahren das erste Mal in einem Bikecamp dabei. Das war für mich der Startschuss. Mit MTB-Profis fahren, das ist ein Wahnsinns-Erlebnis. Danach hatte ich auch meine ersten Bilder in einem Magazin, ich habe angefangen Rennen zu fahren. Und diese Welt hatte mir das Jugend-Camp eröffnet.

Rob J im BIKE Magazine. Er springt über einen Kicker | Pic Rob J

Rob J und sein erstes Pic im BIKE Magazine. Das Foto entstand bei seiner ersten Teilnahme am Jugendcamp | Pic Rob J

Jahre später wurdest du dann selber Coach?

Genau. Und dann hat es sich ergeben, dass ich ziemlich schnell die Organisation übernommen habe. Ich habe dann ein Team zusammengestellt. Auch wenn sich zwischendurch einiges verändert hat, gibt es das Camp jetzt schon 20 Jahre (Inzwischen ist es Robs eigenes Camp, Anm. Outdorrunde). Die Kinder sind zwischen 11 und 19 Jahren. Das Camp dauert eine Woche und ist ohne Eltern. Wir haben bis zu zehn Gruppen in dem Camp. Jede Gruppe hat einen Bike-Profi als Trainer. Das Können der Kinder sieht man schnell nach einer kleinen Sichtung und danach teilen wir die Gruppen ein. Wir lehren, angepasst an das jeweilige Gruppenlevel, alles, von den Basics auf dem Rad, bis zur Downhilltechnik. Da gibt es viele Jugendliche, die schon öfter dabei waren. Die fahren teilweise auch schon Rennen.

Legt ihr bestimmte Schwerpunkte?

Eigentlich wollen alle Kinder immer Springen lernen. Die stellen sich das dann auch immer leichter vor, als es ist (lacht). Aber die Kinder erkennen auch schnell, wo ihre Grenzen sind. Das dann sensibel zu begleiten, dass die Kids dann auch wirklich selber merken, „oh, das macht jetzt keinen Sinn, mich über einen Kicker zu schmeißen“, da setzen wir an. Denn wichtig ist, dass die Kinder selbst merken, dass sie erstmal Grundtechniken wie Kurven fahren, lernen müssen.

MTB-Coach Rob J erklärt die beste Line auf dem Trail

MTB-Training auf dem Trail heißt auch Zuschauen und Zuhören | Pic PBC

Und bei den besseren Fahrern?

Auch bei den guten Fahrern geht es ganz viel um Basic-Fahrtechnik. Das muss immer wiederholt werden, vor allem Kurvenfahrtechnik. Da legen wir wahnsinnig großen Wert drauf. Das bringt dich in deinem Riding auf das nächste Level! Aber das haben die Kids natürlich nicht auf dem Schirm. Kurventechnik kann Spaß machen und wenn das richtig funktioniert, ist das richtig geil.

Da braucht ihr aber eine gute Systematik?

Wir haben das so optimiert, dass wir jeden abholen können. Das schöne ist, dass Kinder alles viel schneller umsetzen können. Man fährt mit ihnen zwei Runs und bekommt richtig was zurück: „Kurvenäußeres Pedal nach unten, Ellbogen raus, Schwerpunkt bisschen verändern.“ –  „Das ist ja voll geil!“ Solche Reaktionen gibt es dann und ab dem Zeitpunkt merken sie, Kurven fahren, ist genauso cool, wie Springen.

Junger Mountainbiker beim Kurvenfahren

Kurventechnik beim Mountainbiken will gelernt sein | Pic PBC

Was ist Euer Anspruch bei den Camps?

Uns geht es darum, den Kindern Mountainbiken zu vermitteln und nicht irgendwie Slopestyle oder Freeride oder Downhill. Es geht um ein Mountainbike-Erlebnis. Mit der Umgebung in Saalbach haben wir ein Gebiet, das, besonders für die Kinder aus Hamburg oder Belgien usw., richtig beeindruckend ist. Die Kinder sind unter Umständen das erste Mal im hochalpinen Gelände unterwegs. Da wissen viele auch gar nicht, wie man sich verhält. Und deshalb sind sie mit viel größerer Aufmerksamkeit dabei als in irgendeinem Bikepark. Das macht einen riesengroßen Unterschied aus.

Darüber hinaus habt ihr noch ein Jugendcamp Plus?

Ja, das ist ab 16 aufwärts, bis 18 Jahre. Das läuft gleichzeitig. Das ist für fortgeschrittene Fahrer, da geht es um Renntechniken.

Rob J schaut sich bei jungem Mountainbiker die Haltung an

Vor dem ersten Drop muss die Position am Bike passen | Pic PBC

Da öffnet sich ja dann ein viel weiteres Themenfeld…

Mit diesen Teilnehmern machen wir beispielsweise auch Blackroll-Training, Athletiktraining usw. Gerade in diesem Alter haben viele einen richtigen Wachstumsschub, die Kids haben sich selbst nicht mehr unter Kontrolle. Unter Umständen ernähren sie sich schlecht und dann wissen sie durch die Pubertät nicht, wohin mit sich. Wir versuchen ihnen da das Gespür zu vermitteln, wo es bei ihnen fehlt. Viele können Kurven gar nicht richtig fahren, weil sie zu wenig Körperspannung und Muskulatur haben. Da geben wir dann die ersten Übungen mit. Die wenigsten kommen mit den Armen auf den Boden im Stehen. Da fehlt oft viel: Die Kids sitzen den ganzen Tag in der Schule, haben Druck und keine Zeit für Sport.

Was gibst Du dann den Bike-Kids mit auf den Weg?

Die meisten Kinder die nur Rad fahren, sind komplett verkürzt. Toll ist es, wenn die Kinder als Ausgleich beispielsweise Klettern. Das zeigt sich auch gleich bei der Muskulatur. Jeder, der klettert, oder auch schwimmt, oder turnt, steht ganz anders da.

So bin ich auch aufgewachsen – mit ganz vielen verschiedenen Sportarten vom Schwimmen, über den Kampfsport, bis zum Turnen. Das bringt auch für das Biken unheimlich viel.

Zwei MTB-Kids trainieren

Ausgleichstraining ist für Mountainbiker elementar | Pic PBC

Wie reagieren die Jugendlichen auf Hinweise in diese Richtung?

Das passt eigentlich. Wir erklären das den Kids, viele kennen Blackroll und Co beispielsweise aus Videos der Profis. Und sie merken dann schnell selbst, wie das wirkt. Wir hatten dann auch Blackrolls, die sie mitnehmen durften.

Wie siehst Du generell die Entwicklung im Bereich MTB und Kinder?

Grundsätzlich ist es Wahnsinn, wie die Kids mit elf oder zwölf teilweise schon fahren. Aber jetzt können die Kinder schon mit fünf oder sechs anfangen, das gab es vor zehn Jahren natürlich nicht. Interessant wird es deshalb, wenn die Kids, die jetzt fünf oder sechs sind, größer sind. Das wird nochmal ein komplett anderes Level sein. Momentan ist es ja so, dass die Zehn- oder Elfjährigen bei uns im Camp am Anfang stehen. Ich glaube aber, dass die Kinder, die jetzt fünf oder sechs sind, den etwas Älteren nochmal richtig um die Ohren fahren werden. Ein Beispiel, bei dem es jetzt schon so ist, ist Vali Höll (Jahrgang 2000). Die wurde von klein auf gefördert und ist jetzt schon als Junior-Coach für zwei Tage bei mir beim Camp dabei gewesen.

Wenn du davon ausgehst, dass sich das Level beim Biken nochmal extrem steigern wird, wo glaubst Du, gibt es eine Grenze, eine körperliche Grenze?

Ich glaube, dass es so gesehen, keine körperliche Grenze gibt. Es gibt höhere Schwierigkeiten bei den Sprüngen, größere Kicker und dann wird das Material wieder besser. Inzwischen sind die Sprünge viel besser gebaut als früher, es werden Downhill-Bikes für Riesen-Sprünge gefahren. Das war noch vor ein paar Jahren undenkbar. Und so wird die Entwicklung immer weitergehen. Klar, tut man sich dabei schneller weh (lacht).

Wer mehr über die Premium Bike Camps (PBC) von Rob J erfahren mag, klickt hier. Und wer jetzt noch Lust hat, Rob J in Action zu sehen, schaut sich The Syncronicles II an:

Euch hat der Beitrag gefallen? Hier geht’s zum ersten Teil unserer Serie „Kinder und Mountainbiken“ mit Brett Tippie. Er geht mit seiner Tochter auch gerne mal nachts fahren. Ach ja, dann haben wir da noch einen Bike-Test zum Kinder-MTB Canyon Offspring.

Und wer eine gute Übersicht über Kinder-MTBs im DACH-Raum sucht, der ist beim Kinderfahrradfinder sehr gut aufgehoben.


About the author Claudia Klingelhöfer rotate

träumt auch im Sommer manchmal von der perfekten Powderabfahrt, hat aber auch nichts gegen einen flowigen MTB-Trail und einen Sonnenuntergang mit Bergblick.

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