Schöne Freeride-Fotos vom letzten Powder-Tag wer hätte das nicht gerne? Wie das geht? Klaus Kranebitter muss es wissen, er ist als Fotograf und Bergführer auch für verschiedenste Firmen unterwegs in den Bergen. Immer auf der Suche nach dem schönsten, außergewöhnlichsten und erinnerungswürdigsten Foto. Wir haben ihn beim K2 Marmot Women’s Winter Camp getroffen und mit ihm über Fotografieren beim Freeriden gesprochen. Herausgekommen ist diese Sammlung von praktischen Tipps.

1. Snowboarder und Skifahrer – verstehe Dein Motiv

Wenn du selbst ein guter Freerider bist, weißt du, wie sich Dein Motiv, also der fotografierte Fahrer, bewegen wird, wann er welche Position haben wird und wann er in etwa wie schnell ist. Außerdem weißt Du bei der Auswahl der Bilder, wenn etwas „richtig ausschaut“.

(c) Klaus Kranebitter fotografiert die Skibergsteiger im Aufstieg

2. Finde die richtige Position am Berg

Eine gute Position für ein Foto von einer Abfahrt ist seitlich, leicht oberhalb des Fahrers. So kann der Betrachter nachher einerseits den Fahrer sehen und andererseits bekommt er ein Gefühl für den Hang und das Gelände. Das heißt, schon vorher – bspw. beim Aufstieg – ist es wichtig, dass Du Dir genau überlegst, wo Du dich positionieren kannst und wo der Fahrer lang fahren soll. Bei Snowboardern muss natürlich noch beachtet werden, wo Backside und Frontside des Fahrers ist. Stehst du unterhalb des Fahrers, ist die Abfahrt nur schlecht zu sehen und der Fahrer kommt frontal auf das Bild zu – das ist nicht so schön.

3. Lawinenlagebericht und alpine Gefahren nicht vergessen

Bei aller Begeisterung, vergiss nicht, dass Du im alpinen Gelände unterwegs bist. Das heißt, Deine Position muss absolut „safe“ sein und natürlich auch die Line des Fahrers. Auch erfahrenen Fotografen und Fahrern passiert es, dass die Vorfreude größer ist und die alpinen Gefahren ausgeblendet werden. Deswegen erinnert Euch zu jeder Zeit gegenseitig an bestehende Risiken und sprecht Eure Bedenken früh genug aus.

Ungewöhnliche Perspektive mit strukturiertem Schnee

4. Nutze die ästhetischen Elemente im Schnee

Bei Bildern mit Menschen im Schnee sind die Schattenlinien immer ganz spannend. Überall wo sich Schattenlinien über den Schnee drüber ziehen, gibt es klare Bildlinien, die Du super verwenden kannst, ob parallel, diagonal oder horizontal, das ist egal. Halte nach so einem Gelände Ausschau. Und wenn Du dich auf der richtigen Seite (s.o.) positionierst, sind die Schattenlinien auch schön zu sehen. Darüberhinaus ist es auch wichtig, darauf zu achten, dass wenn wirklich alles stimmen soll, die Bekleidung passt, der Fahrstil gut ist und natürlich ist es auch schön, wenn der Schnee spritzt und / oder in der Sonne funkelt. Überlegen solltest Du auch, ob Du es mal mit einer Gegenlichtaufnahme versuchen willst.

Powderhang mit Spur

5. Nimm Dir Zeit für Deine Fotos

Gute Fotos haben auch viel mit Glück zu tun. Aber es geht hier um das Glück des Tüchtigen. Das heißt: Gute Fotos kosten Zeit. Egal ob konkret beim Fotografieren am Berg oder generell über die Jahre hinweg. Eigener Bildstil, ein geschulter Blick für das passende Motiv und das Gefühl für den richtigen Augenblick entwickeln sich erst im Laufe der Jahre und auch dann entwickeln sie sich bestenfalls immer weiter. Tag für Tag – Jahr für Jahr.

6. Schule Deinen Blick für gute Bilder

Viele Bilder entstehen auch im Kopf erst in der Minute, in der sie gemacht werden. Je länger man fotografiert, desto schneller und besser bekommt man Bildideen. Suche, auch wenn Du ohne Kamera am Berg bist, konsequent nach guten Perspektiven. So bekommst Du eine bessere Vorstellung davon, welches Gelände Du fotografieren könntest. Oft ist das eigentliche Motiv noch gar nicht klar, aber eine Vorstellung davon, beziehungsweise eine bestimmte Stimmung stellt sich ein und wenn Du dann mit Kamera unterwegs bist, findet sich das Motiv fast von selbst, oder eine Situation die zur gesuchten Stimmung passt.

7. Nimm die Herausforderung an

Du machst Outdoor-Fotografie und das ist und bleibt spannend und unwägbar. Aber genau deshalb machst Du es ja. Natürlich kannst Du nicht wie im Studio das Licht verändern oder Situationen beliebig oft wiederholen und den Akteur dirigieren, bis es passt. Deshalb ist es natürlich noch wichtiger, wohin Du Dich bewegst, bevor Du das Foto machst und das ist natürlich auch eine sportliche Herausforderung an sich.

8. Bild-Bearbeitung gehört dazu

Bilder dürfen bearbeitet werden. Was den Stil angeht, gibt es immer Trendwellen. Zur Zeit hat sich das etwas eingeebnet, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Wenn man in die Breite schaut, hat sich ein reduzierter, aber recht realistischer Fotostil entwickelt Als die Digitalfotografie mit den vielen Bearbeitungsmöglichkeiten aufkam, gab es immer wieder pixelige Bilder mit komischen Einfärbungen zu sehen. Das war natürlich spannend, weil das Auge das nicht gekannt hat. Bearbeitung ist legitim, was die optische Veränderung angelangt. Tatsachenveränderung ist dagegen in der Outdoorfotografie Spielverderberei und doof.

9. Nutze Dein Handy

Durch die technisch hochwertigen Kameras in den Handys kann man fast alles machen. Brennweiten austauschen und Schärfeebenen verschieben geht zwar nur eingeschränkt, dass ist aber auch nicht der Punkt, der das Handy auszeichnet. Mit dem Handy lässt sich super flexibel arbeiten. Handy in die Hand und kreativ drauf los arbeiten ohne auf die Technik zu achten, kann auch eine Befreiung sein. (Klaus hätte sogar Lust, einen Auftrag zu bekommen, bei dem er ein ganzes Fotoshooting mit dem Handy machen darf).

10. Ein gutes Bild geht immer

Es ist zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich, richtig gute Bilder machen. Solche Aussagen „jetzt geht es nicht, oder da müssen wir warten“, die gelten, wenn ganz gezielt fotografiert werden soll. Beispielsweise bei einem Fotoshooting mit bestimmtem Auftrag und bestimmten Ideen. Wenn die Bilder dann nur am Abend möglich sind, dann heißt es Aussitzen und Abwarten. Aber sonst findest Du als engagierter, kreativer Fotograf immer gute Motive – zu jeder Zeit!

Gegenlicht im Aufstieg

Klaus Kranebitter

Klaus Kranebitter ist Initiator und Gründer von SNOWHOW und SAAC. Er ist staatlich geprüfter Berg- und Schiführer. Nach einigen Jahren als Heliskiguide in Kanada und Profifotograf im Bereich Bergsport, gibt er seine Praxiserfahrung auch gerne weiter. Er versteht „Lawinenkunde als Allgemeinbildung im alpinen Lebensraum“ und deshalb ist es ihm ein großes Anliegen sein Wissen an Schüler weiterzugeben. Auch deshalb hat er „Snowhow den Verein zur Förderung von Bildung und Sport“ gegründet. Neben Lawinenkursen für Schulen gibt es dort auch für alle anderen Freeride- und Tourencamps.

Unterstützung

haben wir bei den Recherchen zu diesem Beitrag vom Marmot und K2 Women’s Winter Camp bekommen. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Klaus Kranebitter.


About the author Claudia Klingelhöfer rotate

träumt auch im Sommer manchmal von der perfekten Powderabfahrt, hat aber auch nichts gegen einen flowigen MTB-Trail und einen Sonnenuntergang mit Bergblick.

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